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Personal

Mehr Personal - mehr Zeit!

Gute Ganztagsschule ist viel mehr als Unterricht. Die Ganztagsschule eröffnet vielfältige Möglichkeiten und Chancen für pädagogische Lern- und Lebenserfahrungen mit Aktivitäten, die über den Unterricht hinausgehen. Dabei werden die kognitiven, sozialen und emotionalen Kompetenzen der Kinder gestärkt.

Für die ergänzende Förderung und Betreuung in der gebundenen und offenen Ganztagsgrundschule fordern wir einen Personalschlüssel von 1: 15. Für die gebundene Ganztagsgrundschule entspricht diese Ausstattung im Zeitraum von 7.30 Uhr bis 16.00 Uhr einer Fachkraft pro Lerngruppe.

Die Personalausstattung ist von größter Bedeutung für die Qualität der pädagogischen Prozesse. Das trifft vor allem auf die Frage zu: Wie viele Kinder betreut eine Fachkraft? Günstige Fachkraft-Kind-Relationen ermöglichen anregende Aktivitäten und wirken sich positiv auf die Beziehung zwischen Erzieherin / Erzieher und Kind aus. Gerade in ganztägigen Einrichtungen, in denen die Kinder viele Stunden verbringen, benötigen sie verlässliche Bezugspersonen, die auch Zeit für das einzelne Kind haben.

Die gesetzlich vorgeschriebene Personalausstattung beträgt in der ergänzenden Förderung und Betreuung 1: 22. Dieser Personalschlüssel beschreibt jedoch nicht, welche Personalressourcen für die direkte pädagogische Arbeit mit den Kindern zur Verfügung stehen. Er gibt lediglich Aufschluss darüber, dass für die Gesamtheit aller Aufgaben, die für 22 Kinder anfallen, ein Erzieher bzw. eine Erzieherin mit einer Vollzeitstelle zur Verfügung gestellt wird.

Zu den Tätigkeiten der Erzieherinnen und Erzieher gehören außer der direkten pädagogischen Arbeit mit den Kindern zahlreiche weitere Aufgaben: Sie müssen sich vorbereiten, führen Elterngespräche, beobachten und dokumentieren die Entwicklung der Kinder, nehmen an Elternabenden, Teamsitzungen und Konferenzen teil, kooperieren mit Lehrkräften und Jugendhilfeeinrichtungen. Die für diese mittelbaren pädagogischen Arbeiten erforderlichen Zeitanteile reduzieren die personellen Ressourcen für die direkte pädagogische Arbeit mit den Kindern (Fachkraft-Kind-Relation). Das gilt auch für Urlaub, Krankheit und Fortbildung. Die Fachkraft-Kind-Relation wird deshalb auf Grundlage der Arbeitszeit, die für die pädagogische Praxis mit den Kindern zur Verfügung steht, berechnet.

Geht man davon aus, dass von der Gesamtarbeitszeit einer Erzieherin bzw. eines Erziehers nur 75 % für die direkte pädagogische Arbeit mit den Kindern verbleiben, beträgt dieses Verhältnis bereits 1: 29. Qualitätsvolles pädagogisches Handeln erfordert mehr Zeit für die mittelbare pädagogische Arbeit. Vergleichbare Fachkraft-Kind- Relationen gelten auch in der gebundenen Ganztagsgrundschule.

Wir fordern verlässliche, verbindliche sowie finanzierte Zeiten für die mittelbare pädagogische Arbeit für alle Pädagoginnen und Pädagogen im Umfang von einem Viertel der Regelarbeitszeit.

Alle Bildungsangebote der Schule – sowohl die unterrichtlichen als auch die außerunterrichtlichen – bedürfen der Vor- und Nachbereitung und der Kooperation aller am Schulleben beteiligten Pädagoginnen und Pädagogen. Die Erzieherinnen und Erzieher benötigen dafür einen verbindlichen Anspruch auf Zeiten für die individuelle Vor- und Nachbereitung. Bildungsprozesse und -angebote müssen geplant, reflektiert und evaluiert werden. Die Erzieherinnen und Erzieher benötigen Zeit, um sich im Team und in den schulischen Gremien mit den Lehrerinnen und Lehrern über pädagogische Ziele zu beraten, deren Umsetzung zu diskutieren und zu planen. Auch die Kooperation mit den Eltern und mit außerschulischen Partnern (z. B. Kitas) bedarf der Zeit. Im Rahmen der gegenwärtigen Personalausstattung können diese Zeiten nicht ausreichend abgedeckt werden.

Wir fordern eine Freistellung für die koordinierende Tätigkeit / Leitung in Abhängigkeit von der Größe des Ganztags. Der Schlüssel soll 1: 100 betragen. Diese Tätigkeit muss als Leitungstätigkeit anerkannt sein.

Die koordinierenden Erzieherinnen und Erzieher / Leiterinnen und Leiter haben eine wichtige Funktion in der Ganztagsgrundschule. Sie sind das Bindeglied zwischen Schulleitung, Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften. Ihnen obliegt de facto die Leitung des Ganztagsbetriebes. Sie sind verantwortlich für den pädagogischen Entwicklungsprozess des Ganztags, den sie gemeinsam mit dem Team und in Kooperation mit den Lehrkräften und der Schulleitung gestalten. Sie arbeiten in den schulischen Gremien mit und sind Mitglied der erweiterten Schulleitung. Sie sind an der Entwicklung des Schulprogramms beteiligt. Für die Ganztagsbereiche in freier Trägerschaft gehört auch die Kooperation mit dem Träger zu den Aufgaben der Leitung.

Die koordinierenden Erzieherinnen und Erzieher / Leiterinnen und Leiter unterstützen und beraten die Fachkräfte in allen pädagogischen Fragen. Sie organisieren die Dienst- und Urlaubsplanung. Sie sind verantwortlich für die Teamentwicklung und Fortbildungsplanung. Sie sind Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für die Eltern, die sie beraten und unterstützen. Von ihnen wird eine hohe Kommunikations-, Kooperations- und Teamfähigkeit erwartet.

Zu ihren Aufgaben gehört ferner die Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Einrichtungen und Organisationen (z. B. Jugendhilfeeinrichtungen,
Gesundheitsamt, andere Schulen). Sie sind zuständig für mannigfache Verwaltungs- und Organisationsaufgaben. Die Ganztagsbereiche der Grundschulen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Viele Kinder – in der Regel mehr als 200, zum Teil sogar 400 oder 600 Kinder – sind ganztägig in der Schule. Entsprechend groß ist die Anzahl der Fachkräfte, deren Arbeit die koordinierenden Erzieherinnen und Erzieher / Leiterinnen und Leiter verantwortlich planen, koordinieren und anleiten müssen. Die Freistellung für diese Tätigkeit muss deshalb die Größe der Einrichtung berücksichtigen.